Liberales Frankentreffen

„Liberalismus ist eine Haltung!“ Dr. Wolfgang Gerhardt, der Vorsitzende der „Friedrich Naumann -Stiftung für die Freiheit“, skizzierte anlässlich des Frankentreffens der FDP aus Mittel-, Ober- und Unterfranken, auf Schloss Gaibach bei Volkach (Unterfranken) die Wesensmerkmale liberaler Politik in Vergangenheit und Gegenwart. Gaibach steht in Franken für den Freiheitswillen der Deutschen, gleichsam für die junge Demokratie. Sichtbares Zeichen ist die Konstitutionssäule in Gaibach, die 1832 Graf Franz Erwein von Schönborn-Wiesentheid errichten ließ. Sie ist ein Dokument der ersten bayerischen Verfassung von 1818 unter König Max I. Joseph. Zu den beherzten Franken, die sich für die neue Demokratie aussprachen und leidenschaftlich für die Abkehr von der monarchistischen Gesellschaftsform kämpften, gehörte der Würzburger Oberbürgermeister Wilhelm Josef Behr, der für seinen Mut mit einigen Jahren Haft bestraft wurde.

Es waren die liberalen Menschen im Lande, die für die Freiheit und die Demokratie kämpften. In ihrer Nachfolge sieht sich heute die FDP.  Für eine offene Gesellschaft mit selbstbestimmter Lebensform in Respekt gegenüber anderen traten die Liberalen des 19. Jahrhunderts ein. Es gereicht den Liberalen von heute zur Ehrung, sich zu dieser Tradition zu bekennen.  Das Frankentreffen ragt deshalb heraus und es ist ein starkes Bekenntnis zur Freiheitlichkeit in unserem Land.

Dass die Anfechtungen groß sind, das verdeutlichte Dr. Gerhardt in seiner mit starkem Beifall aufgenommener Rede in Anwesenheit von Volkachs Bürgermeister Peter Kornell, des stellvertretenden Landrats Robert Finster und des Kreisvorsitzenden Hans Müller.  Die Solidarität der drei fränkischen Stämme kam durch die Anwesenheit der drei Bezirkschefs Katja Hessel (Mittelfranken), Thomas Hacker (Oberfranken, zugleich Präsident der Thomas-Dehler-Stiftung) sowie Karsten Klein (Unterfranken) zum Ausdruck.

Dass von seiten des Freistaats Bayern 1016 kein Verfassungsfest zustande kam, das kritisierte Bürgermeister Peter Kornell. Umso mehr dankte er der Friedrich-Naumann-Stiftung für das Engagement.

Dr. Wolfgang Gerhardt, der von 1987 bis 1991 stellvertretender Ministerpräsident von Hessen war und in den Jahren 1994 bis 2006 im Bundestag saß,  war von 1995 bis 2001 Bundesvorsitzender der FDP. Er ist kein Mann der lauten Worte und er ist nicht davon besessen, jeden Tag mit neuen Schlagzeilen in den Zeitungen präsent sein zu müssen.  Eher ist er einer von denen, die nachdenklich sind und sich Gedanken machen, bevor sie losplaudern.  Er ficht mit Engagement gegen die Geringschätzung der Politik und der Politiker: „Wenn das so weitergeht, bekommen wir noch Zustände wie in der Weimarer Republik.“ Er bedauerte, dass sachliche Argumente in der politischen Diskussion immer weniger eine Rolle spielten. Dem setzt er entgegen: „Wir müssen uns bemühen, die Wirkungszusammenhänge darzustellen.“

Sorgen macht sich der prominente liberale Politiker um die Zukunft des Landes: „Wir erleben momentan einen gedopten Aufschwung, aber was ist, wenn der vorbei ist?“  Die meisten Deutschen glaubten, wir hätten einen Stammplatz in einer stabilen Gesellschaft.

„Wir müssen gegen die Ignoranz aufstehen!“ Dr. Gerhardt  wandte sich gegen den Politikstil in Deutschland: „Wer am lautesten schreit, der wird  am ehesten wahrgenommen.“ Inzwischen gelte derjenige Politiker als Weichei, der den Kompromiss mit den anderen suche. Das Grundgesetz habe den Deutschen mehr gegeben, als sie zuvor in der Geschichte hätten erleben dürfen. Seine persönliche Reaktion: „Das seichte Geschwätz über die Parteien und die Demokratie höre ich mir nicht mehr an.“

Der Vorsitzende der Stiftung („Die Zukunft erscheint mir manchmal als eine Abstellkammer in die alles gestellt wird, was wir heute regeln müssten“) forderte die liberalen Menschen in Franken auf, sich kämpferisch der Pflege der freiheitlichen Gesellschaft zu widmen. Nicht hundertprozentig übernehmen will Dr. Gerhard die Wertung von Ex-Bundespräsident Christian Wulff, wonach der Islam zu Deutschland gehört: „Die Moslems sollen in Deutschland ihren Glauben leben dürfen, aber für alle gilt, dass sie die deutsche Ordnung und die deutschen Gesetze beachten müssen.“

Dr. Gerhardt („Bildung ist das, was übrigbleibt von dem, was man gelernt hat“) forderte die Liberalen in Franken auf, standhaft zu bleiben, denn: „Liberalität ist eine Haltung!“

v.l.n.r. Thomas Hacker, Dr. Wolfgang Gerhardt, Hermann Rindt, Katja Hessel, Karsten Klein

v.l.n.r. Thomas Hacker, Dr. Wolfgang Gerhardt, Hermann Rindt, Katja Hessel, Karsten Klein


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